Hast Du einen Forschungsaufenthalt oder Ähnliches gemacht? Wo? Und was hat es Dir gebracht?


Susanne Gössl: Ich war in den USA, in New Orleans (Tulane University School of Law) und habe dort einen LL.M. gemacht. Mit dem Hauptteil der Dissertation habe ich erst im Anschluss angefangen, aber ich hatte bereits mein Thema und habe es gedanklich immer bei mir getragen. Es hat mir persönlich sehr geholfen, mich vom deutschen Rechtsdenken zu lösen, sowohl im Zivilrecht als auch im Kollisionsrecht. Gerade Fragen des Immaterialgüterrechts werden in den USA ganz anders gedacht und diese waren zentral für meine Arbeit.

Fachlich hat mir der Aufenthalt auch den Blick geöffnet, vor allem auf die reiche IPR-Diskussion, die in den USA mit ganz anderem Blickwinkel geführt wird und die in Deutschland meist etwas verächtlich abgetan wird, was sie aber nicht verdient. Das fließt in meine Arbeit nicht direkt ein, aber ich glaube, es führt dazu, dass ich einen kritischeren Blick auf einige Grundannehmen des deutschen und europäischen IPR gewonnen habe. Und ein kritischer Blick ist wahrscheinlich immer hilfreich.

Außerdem hatte ich damals die Freiheit gefunden, über mich selbst und meine Wünsche nachzudenken, weil ich nicht in meinem üblichen sozialen Leben eingebunden war. Das war sehr hilfreich, um mir über vieles klarer zu werden (der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber wahrscheinlich ist es das auch nie). New Orleans war vier Jahre vorher von „Katrina“ stark zerstört worden und während meines Aufenthalts geschah der Deepwater Horizon Oil Spill im Golf von Mexiko. In einer solchen Stadt zu leben und die Lebensfreude der Menschen zu spüren (insbesondere, als die Saints den Super Bowl gewannen – bis heute zum einzigen Mal) und zugleich auch ihre Frustration mit der Regierung in D.C. und ihrem Katastrophenmanagement war extrem prägend. Meine Prioritäten und Wertigkeit haben sich seitdem stark verschoben. Im Anschluss habe ich in Boulder, Colorado, in einer NGO gearbeitet und das war ein krasser Perspektivenwechsel, Boulder war bereits damals eine der ersten reichen Hipster-Städte und der Kulturschock zwischen Louisiana und Colorado für mich enorm. Ich habe seitdem auch eine ganz andere Perspektive auf die USA, aber auch auf Europa, insbesondere die EU, und auf die Politik.


Rick Sprotte: Wie bereits angesprochen war ich für mehrere Monate am Max-Planck-Institut Luxemburg für Internationales, Europäisches und Regulatorisches Verfahrensrecht. Die Atmosphäre am Institut sowie die engagierte und doch kollegiale Arbeitsweise waren überaus inspirierend. Die Möglichkeiten rechtsvergleichende Forschung zu betreiben waren optimal und die Möglichkeiten des Austauschs vielfältig. In dieser Phase entstand ein Hauptteil meiner Arbeit. Auch hatte ich die Gelegenheit meine Arbeit den Institutsangehörigen sowie weiteren Gästen wie mir vorzustellen und meine Grundannahmen vor einem vielfältigen Fachpublikum zu verteidigen. Eine überaus wichtige Erfahrung.


Bianca von Dr-Jur.net: Ich habe einen mehrmonatigen Aufenthalt am Max Planck Institut in Luxemburg verbracht. Zum einen hatte ich dort besseren Zugriff auf insbesondere ausländische Literatur. Zum anderen hatte ich dort die Möglichkeit, mich mit vielen anderen jungen Wissenschaftler*innen auszutauschen, sowohl fachlich als auch bezogen auf den Arbeitsprozess. Die gesamte Atmosphäre dort war sehr motivierend und inspirierend.


Hier geht es zur nächsten Frage: Wenn Du Dir selbst früher oder heute anfangenden Doktorand*innen drei Tipps bzw. Ratschläge geben könntest – welche wären das?