Welche Überarbeitungsschritte waren für Dich am Wichtigsten? Hattest Du Korrektur-Leser?

Janett Bachmann: Drei Freunde haben meinen Entwurf Korrektur gelesen. Jeder unter einem anderen Aspekt: Rechtsschreibung und Grammatik, Verständnis und Jura (also IPR).

Das Einarbeiten der Korrekturen hat unglaublich viel Zeit in Anspruch genommen. Das habe ich ein wenig unterschätzt. Mein Entwurf hatte über 200 Seiten. So mussten dann am Ende mehr als 600 Seiten mit verschiedenen Änderungen in den Entwurf eingearbeitet werden. Da ich damals schon im Referendariat war und auch nebenbei noch in einer Kanzlei gearbeitet habe, blieb am Ende in dieser Phase nicht wirklich viel Freizeit über. Ich würde daher immer dazu raten, die Dissertation erst einzureichen und dann in das Referendariat zu gehen. Ich bin der Überzeugung, dass eine Dissertation nach dem ersten Staatsexamen stets leichter zu realisieren ist, als nach dem zweiten Examen.


Felix Berner: Jeder Teil meiner Dissertation wurde vor Abgabe von mindestens zwei Personen Korrektur gelesen. Das verhindert nicht, dass man auch nach Druckfassung immer noch kleiner Druckfehler findet, damit muss man sich leider abfinden.


Susanne Gössl: Schwer zu sagen. Nach den Gesprächen mit meinem Betreuer ging ich meist mit gefühlt zwanzig noch zu bewältigenden Quellen nach Hause, die ich dann im nächsten Schritt durch- und einarbeitete. Das war ein wichtiger Schritt, um die Diskussion wirklich noch weiter zu vertiefen. Am Ende die Durcharbeitung war auch noch einmal wichtig, weil ich ja inzwischen wusste, worauf die Arbeit hinausläuft, während ich ursprünglich ergebnisoffen herangegangen bin.

Ich habe mehrere Personen in meinem Freundeskreis gebeten, meine Arbeit korrekturzulesen. Leider war ich damals die einzige in diesem Kreis, die IPR machte, d.h. fachliches Feedback konnte ich mir nur aus fachfremder Perspektive einholen. Aber es war auch sehr interessant, fachliches Feedback von juristisch versierten, aber nicht kollisionsrechtlich interessierten Personen einzuholen, um gegebenenfalls noch mal Formulierungen so zu überarbeiten, dass sie hoffentlich auch für ein breiteres Publikum zugänglich sind. Außerdem habe ich einen sehr guten Freund, der kein Jurist ist und der mich immer wieder drauf hingewiesen hat, wenn ein Satz völlig unverständlich für einen Nichtjuristen war. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Manko vollends beseitigen konnte, aber es war auf jeden Fall gut, hier einen geschärften Blick zu gewinnen.


Scarlett Jansen: Ich hatte drei Korrekturleser, davon zwei Juristen, aber jeweils keine Wissenschaftler. Ich bin ihnen sehr dankbar für Ihre Hilfe, denn sie konnten mir manches Mal zeigen, wann ich mich unverständlich ausgedrückt hatte.


Anne Sanders: Meine Doktormutter hatte immer Anmerkungen zu meinen Aufsätzen gemacht. Wichtig war für die Überarbeitung dann das Korrekturlesen von Partner und Freunden, die mich auf wichtige Punkte hingewiesen haben. Dann folgte die „große Lektüre“ meiner Doktormutter am Werk insgesamt, die dann mit umfangreichen Anmerkungen (30 Seiten, schauder…) endete. Daraufhin habe ich die Arbeit dann, nach dem Master, nochmal überarbeitet. Das ging dann eigentlich recht schnell.

Ich bin ihr bis heute sehr dankbar, dass sie sich so viel Mühe mit meiner Arbeit gemacht hat, auch wenn ich natürlich auf mehr Begeisterung gehofft hatte. Ich kann nur jedem empfehlen, Feedback zu suchen und dankbar dafür zu sein. Professoren haben wenig Zeit und wenn sie sich die nehmen, um die Arbeit zu verbessern, sollte man dankbar sein und nicht rumzicken. Das fällt einem nicht immer leicht, auch mir nicht. Man will natürlich, dass alle Hurra rufen oder dass die Uhren stehenbleiben, wenn man das große Werk vorlegt. Aber das ist nicht so. Das kann gar nicht so sein. Gute Arbeit entsteht nur mit Überarbeitung, so hart das auch sein mag.  Wenn man Feedback bekommt, heißt das aber nicht, dass man es genauso machen muss, wie die Kritik sagt. Entscheidend ist, dass man sich bewusst macht, dass der Kritiker irgendeinen Punkt mit seiner Kritik getroffen hat, an dem man arbeiten muss. Also ruhig drüber nachdenken, inwiefern Kritik berechtigt ist und diese umsetzen.

Neil Gaiman hat das einmal wunderbar formuliert:  “Remember: when people tell you something’s wrong or doesn’t work for them, they are almost always right. When they tell you exactly what they think is wrong and how to fix it, they are almost always wrong.”

Gab es während Ihres Masters neben den Anmerkungen von Ihrer Doktormutter noch neue Anregungen und Ideen aus dem Masterstudium? Haben Sie den Eindruck, dass es der Überarbeitung gut getan hat, dass Sie eine Weile liegen blieb, bevor sie wieder eingestiegen sind?

Ob es hilfreich war, dass die Arbeit eine Weile liegen geblieben war, kann ich nicht sagen. Ein gewisser Abstand war sicher gut und hat die Arbeit kohärenter gemacht. Dafür hätte es aber keines ganzen Masterstudiums bedurft, insbesondere auch, weil ich im Master ganz bewusst keine Fächer gewählt habe, die ich in der Diss behandelt habe. Ich wollte ja damals schon in die Wissenschaft und dachte, ich muss mich wissenschaftlich breit aufstellen. Aber vielleicht war der Master auch hilfreich für die Arbeit? So genau kann man ich das jetzt selbst gar nicht sagen. Wichtig war die Erfahrung der Kritik meiner Doktormutter jedenfalls, weil ich gemerkt habe, dass das Überarbeiten nicht zeigt, dass ich es nicht kann, sondern dass es ein notwendiger Teil der Forschung ist, Kritik zur Verbesserung der eigenen Arbeit zu nutzen. 


Mareike Schmidt: Ich glaube, der Großteil dessen, was andere in einem separaten Überarbeitungsprozess machen, findet bei mir vor dem Schreiben und während des Schreibprozesses statt. Sehr wichtig für mich sind Gespräche mit Personen, die etwas von dem Thema verstehen (jedenfalls in Grundzügen) und denen ich vertraue. Das hilft mir, meine Ideen zu entwickeln und sie kritisch zu hinterfragen. Oft bedarf es dann keiner großen Überarbeitung mehr, wenn ich den Text endlich einmal geschrieben habe. Aber natürlich ist auch das nicht immer so. Manchmal, wenn ich gar nicht mit dem Schreiben vorankomme, formuliere ich erst einmal absolute Rohtexte, die mir zum Strukturieren meiner Gedanken dienen. Diese Entwürfe müssen dann meistens noch ganz grundlegend überarbeitet werden; oft verwende ich sie sogar gar nicht, sondern schreibe den eigentlichen Text später gänzlich neu.

Korrektur gelesen von anderen Personen wurde meine Dissertation nur zwischendurch abschnittsweise immer mal wieder, aber nicht mehr am Ende. Das mag daran liegen, dass ich mit Blick auf Rechtschreibung und Sprache selbst schon eine sehr kritische Korrekturleserin meiner eigenen Texte bin; es war aber am Ende auch eine Zeitfrage, da eine Verschiebung des Abgabetermins nicht möglich war und ich nicht mehr hinreichend Zeit für eine Korrekturschleife hatte.


Rick Sprotte: Wie zuvor beschrieben, ist die Überarbeitung jedes einzelnen Satzes ein wesentlicher Schritt. Die hauptsächliche strukturelle Überarbeitung nahm ich zum einen vor, nachdem ein Freund und Kollege die Arbeit inhaltlich gelesen und mir Rückmeldung gegeben hatte. Zum anderen nahm ich umfassende Änderungen vor, nachdem meine Doktormutter den ersten Entwurf der Arbeit durchgesehen hatte. Nach diesem Feedback überarbeitete ich die Arbeit nochmals für drei Monate, bevor ich die endgültige Version einreichte. Korrekturleserin war meine Mutter, die diese anstrengende und nervenaufreibende Aufgabe sogar mehrfach übernahm. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sie keine juristische Ausbildung besitzt. Das führte zum einen natürlich zu diversen Nachfragen ihrerseits. Andererseits waren diese Fragen für mich aber auch eine gute Gegenprobe, ob ich Sachverhalte bzw. auch nur einzelne Sätze verständlich formuliert hatte.


Sabine Vianden: Grundlegend war es für mich, wenn ich die Kapitelreihenfolge verändert habe, weil dann auch Verweise bearbeitet werden mussten. Ich hatte Korrekturleser, die mir sehr wertvolle Anmerkungen geliefert haben. Bei Abschnitten, die viel “juristisches Handwerkszeug” beinhalteten und in denen ich verstärkt eigene Ansätze verarbeitet hatte, habe ich darauf geachtet, dass diese von mindestens einem anderen Juristen gelesen werden, um zu schauen, ob meine Argumentationsmuster nachvollziehbar sind. Die “Laien” waren vorwiegend Leute, die auch beruflich viel mit dem Erstellen und Korrigieren von Texten zu tun haben. Sie haben mich insbesondere dazu angehalten, lange komplizierte Sätze zu entzerren, was der Verständlichkeit sicher zuträglich war.


Hier geht es zur nächsten Frage: Wie hast Du Dich auf die Disputatio vorbereitet? Wie hast Du die Thesen ausgewählt? Wie verlief die Disputatio und die Diskussion?