Auch wenn die vierte Covid-Welle vor der Tür steht (oder schon begonnen hat?), finden längst Tagungen und Konferenzen wieder in Person statt. Ein wichtiger Aspekt, weshalb es eine gute Idee sein kann, auch schon als promovierende Person zu (Nachwuchs-)Tagungen zu gehen, ist Networking. Aber wie macht man das überhaupt?

Die gute Nachricht: Networking passiert im Grunde, auch ohne dass man es aktiv betreibt. Wenn man in der Pause oder beim Abendprogramm zusammensteht oder -sitzt, sich über das Essen, die Vorträge, die eigene Arbeit usw. usf. unterhält. Schnell stellt man fest, wen man sympathisch findet und sucht diese Menschen am zweiten Tag erneut auf – und schon sind sie Teil des eigenen Netzwerks.

Das Netzwerk bilden

Erster wichtiger Schritt, damit das auch langfristig so bleibt, ist, sich die Namen und ggf. ein paar weitere Informationen zu diesen Personen zu merken – an welcher Uni sind sie, in welchem fachlichen Bereich arbeiten sie, was haben sie für einen Background? Ich habe mir angewöhnt, auf der Teilnahmeliste, die es bei so gut wie jeder Konferenz gibt, zu markieren, mit wem ich gesprochen habe, und 2-3 Stichwörter dazuzuschreiben, worüber man gesprochen hat, denn so kann ich die Person nachher am besten wieder zuordnen.

Der klassischere Weg ist, Visitenkarten auszutauschen. Meiner Erfahrung nach haben auch auf Nachwuchskonferenzen viele Teilnehmende eine Visitenkarte dabei, aber irgendjemand muss den ersten Schritt machen, üblicherweise indem man die anderen fragt, ob man ihnen seine Karte geben darf. Sobald eine Person am Tisch ihre Karten anbietet, nutzen meistens auch die anderen diese Gelegenheit. Dabei ist es üblich, zumindest wenn man in überschaubarer Runde zusammensteht, Karten an alle Anwesenden zu verteilen, auch wenn es einem selbst vielleicht nur auf eine bestimmte Person ankommt.

Nach der Konferenz kann man die Menschen, mit denen man sich unterhalten hat, per E-Mail oder in einem (beruflichen) sozialen Netzwerk anschreiben, um sich zu verbinden. Ich persönlich nutze dafür gerne LinkedIn und habe den Eindruck, dass sich diese Plattform in Deutschland am ehesten durchsetzt. Meiner Meinung nach sollte man auf LinkedIn immer ein oder zwei Sätze dazuschreiben, wenn man Menschen seinem Netzwerk hinzufügen möchte, insbesondere wenn man sie noch nicht besonders gut kennt. Nach einer Konferenz kann dafür schon ein schlichtes “Es war schön, dich am Wochenende kennengelernt zu haben.” genügen – so kann die andere Person einen direkt zuordnen. Eine E-Mail zur Kontaktaufnahme finde ich persönlich schwieriger, es sei denn, man hat ein konkretes Anliegen, auf das man Bezug nehmen kann.

Neben diesem fast schon beiläufigen Netzwerken kann man auch gezielt Menschen ansprechen. Zum Beispiel Personen, die einen besonders spannenden Vortrag gehalten haben. Oder man überfliegt die Teilnahmeliste und schaut, wer eigentlich alles da ist. Vielleicht hat ja jemand in einem ähnlichen Bereich veröffentlicht, in dem man selbst promoviert? Falls man die Teilnahmeliste schon vorab erhält, kann man auch schon einmal nach Bildern von diesen Personen suchen, damit man sie auf der Veranstaltung auch erkennt. Hat man so eine Person entdeckt, ist es vollkommen normal, sich zum Beispiel an den Stehtisch dazuzustellen. Je nach Typ und je nach Art des Gesprächs kann man sich dann entweder direkt mit einschalten oder man nutzt eine Gesprächspause, um sich vorzustellen. Keine Scheu davor, direkt auf die Veröffentlichung zu sprechen zu kommen – die allermeisten Menschen reden gerne von sich und werden gerne gelobt. Andererseits sollte man aber auch genau darauf achten, wie diese Person reagiert – nicht alle werden gerne im “angenehmen Teil” der Konferenz unvorbereitet mit vertieften fachlichen Gesprächen konfrontiert. Das ist aber auch gar nicht nötig, wenn man einmal den Kontakt hat, kann man im Nachgang zur Konferenz zum Beispiel eine E-Mail schreiben, in der man auf das Treffen Bezug nimmt und dann eine Frage zu dem Aufsatz stellt oder Ähnliches.

Das Netzwerk nutzen und pflegen

Unabhängig davon, ob man schon einmal auf einer Konferenz war – jede*r von uns hat schon ein Netzwerk aus ehemaligen Kommiliton*innen, Kolleg*innen und Dozent*innen, auf die man zurückgreifen kann, wenn man ein Unterstützung braucht.

Gerade, wenn man jemanden nicht besonders gut kennt und nicht weiß ob die*derjenige sich an die Begegnung erinnert, ist es sinnvoll, kurz damit einzuleiten, woher man sich kennt. Ein zugegeben etwas ungelenkes “vielleicht erinnerst du dich noch, wir haben zusammen die Vorlesung XY gehört” reicht schon aus, um der anderen Person zu helfen, sich daran zu erinnern, in welcher Verbindung man zueinander steht. Wenn man die Adresse von einem Dritten erhalten hat, sollte man auf diese Person Bezug nehmen.

Wenn man dann auf das eigentliche Anliegen zu sprechen kommt, ist es sinnvoll, so konkret wie möglich zu formulieren, was man von der anderen Person möchte: eine Information, ein Empfehlungsschreiben, einen Kontakt zu jemanden aus deren Netzwerk? Dabei sollte man zumindest in ein oder zwei Sätzen auch erklären, warum oder wofür man es braucht. Wenn es ein etwas umfangreicherer Gefallen ist, sollte man klar machen, dass man sich dessen bewusst ist. Wenn die Person der Bitte nachkommt, sollte es selbstverständlich sein, sich zu bedanken – und ggf. später von dem Ergebnis zu berichten. Falls die Person gar nicht antwortet, ist es meiner Meinung nach legitim, nach circa einer Woche noch einmal nachzuhaken, insbesondere wenn es etwas Zeitkritisches ist. Kommt immer noch keine Reaktion, ist es in der Regel am besten, sich einen anderen Weg zu suchen.

Das wichtigste an langfristigem Netzwerken ist meiner Meinung nach aber, dass es keine Einbahnstraße ist. Sei selbst auch bereit, anderen zu helfen, wenn sie dich kontaktieren. Gerade wenn es wenig Aufwand ist und nicht zum Beispiel um echtes Geheimwissen geht, sollte man immer bereit sein, seine Erfahrungen zu teilen oder Kontakte zu anderen zu knüpfen. Wenn man nicht helfen kann oder möchte, sollte man zumindest antworten und der Person absagen, idealerweise mit einer Erklärung oder vielleicht einem Tipp, wo die Person stattdessen nachfragen kann. Auch wenn man selbst von dieser Person nie wieder etwas hört oder möchte – viele andere Menschen kriegen schnell ein Gefühl dafür, ob man sein Netzwerk nur in eine Richtung betreibt oder ob es auf Gegenseitigkeit beruht.