Ich bin gerade frisch zurück von der diesjährigen Tagung der Gesellschaft junge Zivilrechtswissenschaft e.V. (GJZ) und total motiviert und inspiriert von den ganzen Eindrücken, Ideen und Gesprächen. Und präsentiere heute ein paar Gründe, warum es eine gute Idee ist, an einer solchen wissenschaftlichen Nachwuchstagung teilzunehmen.


Der erste Grund ist natürlich die Tagung als solche und der wissenschaftliche Input, den man durch sie erhält.

Dabei geht es zum einen um den eigentlichen Inhalt der Vorträge. Je nach Generalthema der Tagung bekommt man neue Ideen für die eigene Dissertation oder Inspiration für einen Aufsatz. Aber auch wenn das Generalthema keine direkten Bezüge zum eigenen wissenschaftlichen Interessengebiet aufweist, ist es unheimlich spannend, Einblicke in andere Forschungsfelder zu bekommen. Das kann auch hilfreich sein, weil man dadurch “sprechfähig” zu aktuellen juristischen Themen wird.

Zum anderen kann man aber von den Vorträgen auch viel über Methodik lernen. Es gibt ganz unterschiedliche Herangehensweisen sowohl hinsichtlich der wissenschaftlichen Inhalte als auch hinsichtlich ihrer Aufbereitung für das Publikum. Man kann viel darüber lernen, wie gute Vorträge aussehen – und was man vermeiden sollte. Gerade auch, eine Responsio zu dem einen oder anderen Vortrag zeigt, wie unterschiedlich Menschen denken.

Neben den Vorträgen sind auch die anschließenden Diskussionen Kernbestandteil solcher Tagungen. Hier hat man die seltene Möglichkeit, in den direkten Austausch zu treten, Meinungen kritisch zu hinterfragen und unmittelbar vom Experten Antwort zu bekommen. Auch dann, wenn man sich nicht selbst an der Diskussion beteiligt, eröffnet das Zuhören ganz neue Möglichkeiten, über die angeschnittenen Themen nachzudenken. Und die Diskussion hört nicht im Tagungsraum selbst auf, sondern setzt sich häufig im Anschluss beim Kaffee oder in der Mittagspause in kleinerer Runde fort. Mein Doktorvater sagte einmal (in Bezug auf Moot Courts) “Recht entsteht durch Rede und Gegenrede”. Bei einer wissenschaftlichen Tagung kann man sich aus dem Gespräch heraus eine Überzeugung zu rechtlichen Themen bilden.

Ganz besonders profitiert man vom wissenschaftlichen Austausch natürlich, wenn man selbst einen Vortrag über das eigene Promotionsthema hält. Warum es generell Sinn macht, einen solchen Vortrag zu halten, darüber habe ich hier geschrieben.

Aber auch abseits des wissenschaftlichen Diskurses macht es einfach Spaß, sich mit anderen jungen Wissenschaftler*innen auszutauschen. Sei es, die Bedingungen an verschiedenen Universitäten und Lehrstühlen kennenzulernen, über das Promovieren oder die juristische Ausbildung im Allgemeinen zu fachsimpeln oder über Gott und die Welt zu plaudern – der gesellige Teil kommt bei solchen Nachwuchstagungen nie zu kurz. Dafür sorgt auch das Rahmenprogramm mit kulturellen und kulinarischen Erlebnissen. Besonders positiv habe ich auf den bisher von mir besuchten Tagungen auch erlebt, dass es kaum Hierarchien gibt. Egal, ob man am Anfang der Promotion steht oder Habilitand in der Endphase ist, die Gespräche finden auf Augenhöhe statt. Und es ist auch nicht nötig, vorab schon jemanden zu kennen – man kommt ganz leicht mit anderen ins Gespräch.

Aus diesen Gesprächen ergibt sich ein letzter Vorteil der Teilnahme an einer solchen Tagung: es ist eine tolle Gelegenheit zu netzwerken. Ein breit aufgestelltes Netzwerk ist im Berufsleben immer hilfreich. Und auch wenn es wissenschaftliche Tagungen sind, werden bei weitem nicht alle Tagungsteilnehmenden später in der Wissenschaft bleiben. Unabhängig davon, welchen beruflichen Weg man einschlagen möchte, knüpft man also auf einer Nachwuchstagung wichtige Kontakte für die Jobsuche oder lernt sogar spätere Kollegen oder Vorgesetzte kennen.


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag ein wenig motivieren, auch einmal an einer Nachwuchstagung teilzunehmen – es lohnt sich auf jeden Fall! Folgende juristische Nachwuchstagungen sind mir bekannt:

Kennt ihr noch weitere Nachwuchstagungen? Dann nehme ich sie gerne in die Liste auf.

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