Für viele Promovierenden ist ein Problem, die zur Verfügung stehende Zeit auch tatsächlich effektiv zu nutzen. Zu groß sind die Ablenkungsmöglichkeiten und zu wenig motivierend das Langzeitziel, irgendwann einmal den Doktortitel zu haben. Es fehlt die externe Kontrolle, ein Chef oder eine Chefin, die am Ende des Tages fragen, was man in der Zeit geschafft hat. Und noch dazu wirken die Aufgaben so groß, dass man sie an einem Tag ohnehin nicht beenden kann. Also prokrastiniert man vor sich hin, liest Nachrichtenseiten, schaut sich Instagram-Posts, Youtube-Videos oder die neusten Memes an.

Eine Möglichkeit, Prokrastination zu vermeiden und den inneren Schweinehund zu überwinden, ist die Pomodoro-Technik (hier gehts zum Wikipedia-Artikel dazu).

Das Prinzip ist ganz einfach: man nehme sich eine Aufgabe vor (in der Original-Fassung soll man diese aufschreiben, ich mache das nie) und stelle einen Wecker für 25 Minuten. Sobald die Zeit beginnt, fängt man mit der Aufgabe an und arbeitet so lange konzentriert weiter, bis der Wecker klingelt. Dann macht man 5 Minuten Pause, wieder mit einem Wecker, der einen daran erinnert, wann es mit der Arbeit weitergeht. Anschließend geht das Prozedere wieder von vorne los. Nach vier solchen Arbeitsphasen gibt es eine längere Pause von 15-20 Minuten – ebenfalls durch einen Wecker begrenzt.

Die Pomodoro-Technik hilft dabei, den inneren Schweinehund zu überwinden, indem man sich erst mal nur dazu bringen muss, 25 Minuten am Stück zu arbeiten, nicht den ganzen Tag, nicht die nächsten Stunden, nur 25 Minuten. Durch den Wecker gerät man nicht in “Gefahr, zu lange zu arbeiten”. Das hilft dabei, sich überhaupt zum Arbeiten zu motivieren.

Es gibt aber noch weitere positive Effekte der Technik. Zum Einen wird man daran erinnert, ausreichend Pausen zu machen. Gerade, wenn man sich an einem Problem festgebissen hat, kann es schnell passieren, dass man stundenlang ohne Unterbrechung arbeitet. Das ist vielleicht produktiv, aber nicht gesund und vor allem nicht dauerhaft durchhaltbar. Dann hilft der Wecker, um sich zwischendurch mal kurz zu strecken, etwas zu trinken oder die Augen zu entspannen. Zum Anderen lernt man durch die Technik, wie viel man in kurzen, intensiven Arbeitsphasen leisten kann. Das hilft wiederum dabei, auch an vollen Tagen mal eine oder zwei “Pomodori” einzuschieben, um voran zu kommen.

Im Grunde genügt für die Pomodoro-Technik jede Küchenuhr und jeder Handy-Wecker. Es gibt aber auch jede Menge Pomodoro-Apps für das Handy oder den Computer, mit denen sich die Intervalle direkt festlegen lassen, sodass man nicht ständig händisch zwischen 25 und 5 Minuten wechseln muss. Mit manchen Apps kann man auch aufzeichnen, wie lange man an einem bestimmten Tag tatsächlich intensiv gearbeitet hat.

Persönlich nutze ich eine kostenlose App, die noch einen Schritt weiter geht. Strict Workflow ist eine Google Chrome – Erweiterung, die nicht nur die Intervalle angibt, sondern für die Dauer der Arbeitsphase auch bestimmte Internetseiten, die ich selbst festlegen kann, sperrt. Das bedeutet, dass ich zwar noch auf Beck online und juris zugreifen kann, aber nicht mehr auf Facebook, Youtube oder die Seite der FAZ. Das hilft mir, mich auch wirklich nicht ablenken zu lassen. Und es ist erschreckend, wie häufig ich dennoch gedankenverloren auf eine der Internetseiten klicke und dann durch den Strict Workflow – Bildschirm daran erinnert werde, dass ich eigentlich arbeiten wollte. Praktisch finde ich auch, dass die Pause erst startet, wenn ich auf das entsprechende Symbol klicke – so kann ich auch mal noch eine Aufgabe abschließen, die etwas länger als 25 Minuten dauert. Einziger Nachteil: man kann keine langen Pausen-Intervalle einstellen. Aber ansonsten benutze ich diese App wirklich gerne.


Habt ihr schon mal die Pomodoro-Technik benutzt? Und verwendet ihr eine App dafür oder ganz altmodisch einen Wecker? Oder habt ihr eine andere Methode gefunden, weniger zu prokrastinieren?

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