Wer sich entscheidet, vor dem Referendariat zu promovieren, kommt zum Ende hin oft in Zeitnot. Je nach Bundesland und Ausbildungsbezirk muss man sich früh für das Referendariat bewerben, den Beginn zu verschieben ist dann nur noch eingeschränkt möglich. So ein fester Endtermin kann sehr hilfreich sein (vor allem für Obliger), aber wenn die Dissertation nicht rechtzeitig fertig wird, muss man sie während des Referendariats fertigstellen. In diesem Beitrag gebe ich ein paar Hinweise und Tipps dazu, wie das gut gelingen kann. Dabei gehe ich von der Stationsreihenfolge und Ausgestaltung in NRW aus, die Überlegungen dürften sich aber auf die meisten Bundesländer übertragen lassen.

Verschiedene Stationen unterschiedlich geeignet

Da sich das Referendariat in verschiedene Stationen gliedert, ist es schwer pauschale Aussagen zu machen. Jede Station bringt andere Rahmenbedingungen mit sich. In der Zivilstation hat man tendentiell mehr Zeit als bei der Staatsanwaltschaft, wo man Sitzungsvertretungen übernehmen muss. In beiden Stationen kommt es aber auch auf die Einzelausbilder*innen an – verlangen sie nur die Pflichtarbeiten oder geben sie einem möglichst viele Akten zur Übung? Sind sie in einer Abteilung mit vielen allgemeinen Sachen oder in einer Spezialkammer mit besonders dicken Akten in einem Rechtsgebiet, von dem man noch keine Ahnung hat? Es lohnt sich also, vorab um Erfahrungen von Ex-Referendar*innen zu bitten und sich eine*n Ausbilder*in zu wünschen, die*der gute Ausbildung macht, aber trotzdem nicht so viel Arbeit verlangt. Aber auch mit eine*m nicht vorausgesuchten Ausbilder*in kann man das Thema Dissertation vorsichtig ansprechen – viele Richter*innen und Staatsanwält*innen haben dafür Verständnis und geben dann ein wenig mehr Freiraum.

Noch weiter divergieren die Verwaltungs- und Anwaltsstationen. Das ist eine Chance – wer noch die Dissertation fertig stellen möchte, kann sich eine Ausbildungsstelle mit eher niedrigen Anforderungen aussuchen oder im Vorstellungsgespräch entsprechende “Deals” aushandeln. Gerade in der Verwaltungsstation gibt es in jedem OLG-Bezirk Stellen, die bekannt dafür sind, ihre Referendar*innen nur halbtags zur Arbeit kommen zu lassen. In der Anwaltsstation ist es außerdem üblich, gegen Ende der Station zu “tauchen”. Es wäre dann denkbar, den ersten Monat statt fürs Lernen für die Dissertation aufzuwenden – wie viele Monate man insgesamt taucht, ist ohnehin weitgehend Verhandlungssache.

Der Spagat zwischen Examensvorbereitung und Promotion

Bei all diesen Überlegungen sollte man aber nicht unterschätzen, dass das Referendariat einen Zweck hat. Zum Einen soll es ermöglichen, verschiedene Berufsbilder kennenzulernen, zum Anderen auf das zweite Staatsexamen vorbereiten. Wer sich eine Ausbildungsstelle nur danach aussucht, wo man am wenigsten zu tun hat, kann schlecht ausprobieren, ob sie*er für einen bestimmten Karriereweg geeignet ist und umgekehrt. Wer nebenher promoviert, kann diese Zeit nicht in die Examensvorbereitung investieren. Gerade in den ersten Monaten des Referendariats ist das noch nicht so dramatisch – zum Ende hin sollte man sich aber eher auf das Examen konzentrieren. Denn auch der tollste Doktortitel nützt nichts, wenn die Examensnote nicht stimmt oder man sogar durchfällt. Daher würde ich empfehlen, die Schriftfassung spätestens in den ersten drei Stationen, insbesondere in der Zivilstation, abzuschließen – kleinere Korrekturen oder Vorbereitung auf die Disputatio sollte aber auch noch in den ersten Monaten der Anwaltsstation möglich sein.

Damit der Spagat zwischen Promotion und Examensvorbereitung gelingt, sollte man feste Zeiten für die Arbeit an der Dissertation zu etablieren. Entweder mit einer festen Stunde jeden Tag oder mit einem (Halb-)Tag pro Woche (zum Beispiel der restliche Tag vor/nach der AG). Viele Referendar*innen haben einen Nebenjob – wer es sich finanziell leisten kann, darauf zu verzichten, kann dieselbe Zeit ohne schlechtes Gewissen in die Dissertation investieren. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich Urlaub zu nehmen, um an der Diss zu arbeiten. Damit sollte man es aber auch nicht übertreiben – auch die Vorbereitung aufs Zweite Examen ist ein anstrengender Marathon, bei dem man darauf achten muss, sich nicht schon am Anfang zu verausgaben. Man sollte einen Teil des Urlaubs also darauf verwenden, wofür er gedacht ist: Erholung.

Insgesamt ist es durchaus möglich, die Promotion neben dem Referendariat abzuschließen. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn das nicht gelingt. Ich kenne persönlich einige Beispiele, die ihre Dissertation noch nach dem Referendariat beendet haben – entweder berufsbegleitend oder indem sie sich noch einmal ein paar Monate voll darauf konzentriert haben. Die Entscheidung, erst einmal das Examen zu priorisieren, ist also völlig legitim und bedeutet nicht sofort, dass man völlig auf den Doktortitel verzichten muss.


Wie sind eure Erfahrungen mit der Kombination aus Referendariat und Promotion? Habt ihr Tipps dazu? Auf welche Schwierigkeiten seid ihr dabei gestoßen?

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