Schon vor einiger Zeit habe ich erklärt, warum ich es wichtig und hilfreich finde, Vorträge über die eigene Dissertation zu halten. Nach den meisten Promotionsordnungen kommt man zumindest um einen Vortrag nicht herum: die Disputatio(n) beinhaltet fast immer eine mündliche Vorstellung der Dissertationsthesen. Leider gibt es in den wenigsten Fakultäten viel Gelegenheit, einen Vortrag zu üben – schon gar nicht abseits des Aktenvortrags im mündlichen Examen, der in streng vorgegebenen Bahnen verläuft. Kein Wunder also, dass viele gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen, so einen Vortrag vorzubereiten.

Ich möchte euch heute eine Methode vorstellen, mit der ihr den Einstieg in einen Vortrag gut strukturieren könnt. Das ist besonders wichtig, weil ihr in den ersten paar Minuten die Aufmerksamkeit der Zuhörenden gewinnen müsst. Wenn ihr einen guten Einstieg habt, hilft das außerdem gegen Nervosität – wenn man einmal im Redefluss ist, geht es danach häufig gleich viel besser.

Die “SPFK”-Methode ist Teil des “pyramidalen Prinzips” (Pyramid Principle), einer Kommunikationsmethode, die von Barbara Minto entwickelt wurde. Die Kernidee dieser Methode besteht darin, Empfänger-orientiert zu sprechen und zu schreiben. Statt vom eigenen Wissensstand zum Empfänger zu rufen, holt man ihn mit SPFK auf seinem Standpunkt ab und führt ihn langsam zum eigenen Standpunkt hinüber. SPFK steht dabei für “Situation”, “Problem”, “Frage” und “Kernbotschaft”. Das sind die einzelnen Stationen, die man in der Einleitung abarbeitet. Insgesamt sollte das je nach Gesamtlänge des Vortrags circa 2-5 Minuten dauern.

Man beginnt mit der Situation, also mit etwas, das dem Empfänger (Zuhörer) bekannt ist. Damit man das tun kann, muss man sich zunächst bewusst machen, wie die Zielgruppe eigentlich aussieht. In der Disputatio ist das hauptsächlich die Kommission, also die*der eigene Betreuer*in, Zweitgutachter*in und Vorsitzende*r, von denen zumindest die ersten beiden sich bereits intensiv mit der Dissertation befasst haben und sich zudem in gerade diesem Rechtsgebiet gut auskennen. Dort kann man einiges an Vorwissen voraussetzen. Trägt man hingegen auf einer (Nachwuchs-)Fachtagung vor, ist es – natürlich auch hier je nach Ausrichtung und Spezifizität der Tagung – eher sinnvoll, etwas weiter auszuholen und mit einer Aussage anzufangen, die zumindest den meisten aus dem Studium bekannt sein dürfte. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass die Zuhörenden von Anfang an in der Lage sind, den Vortrag nachzuvollziehen und nicht schon nach den ersten paar Sätzen aufgeben.

Mit dem nächsten Schritt nähert man sich schon dem eigentlichen Thema des Vortrags. Hierbei stellt man den Grund dar, warum die Zuhörenden sich für das Thema interessieren sollten – weckt in ihnen also das Bedürfnis, dem Vortrag zu folgen. In vielen wissenschaftlichen Arbeiten gibt es ein zentrales Problem, einen Interessenkonflikt, den man, aufbauend auf der Situation, in einigen Sätzen herausarbeiten kann. In juristischen Vorträgen kann es sich anbieten, hierfür einen oder mehrere Beispielsfälle zu verwenden, die das Problem plastisch verdeutlichen. Bei längeren Vorträgen kann man an dieser Stelle auch schon die wesentlichen Meinungen kurz anreißen, die zu dem Problem vertreten werden.

Das Problem leitet über zur zentralen Frage. In diesem Schritt wird das Problem auf den Punkt gebracht. Es kann, muss aber nicht als rhetorische Frage formuliert werden. Für mich persönlich war es sehr hilfreich, das Problem zumindest in der Vorbereitung wirklich auf eine einzelne Frage herunterzubrechen – mit diesem Schritt entscheidet man sich zugleich für eine These der Dissertation, die man hauptsächlich darstellen möchte.

Anschließend – und hier verlässt man dann schon die eigentliche Einleitung – beantwortet man die Frage mit der Kernbotschaft oder der (Haupt)these der Dissertation. Idealerweise lässt auch diese sich in einem oder zwei Sätzen zusammenfassen, sodass sie den Zuhörenden im Gedächtnis bleibt. Manch eine*r mag nun sagen, dass dadurch die Spannung verloren geht – im juristischen wissenschaftlichen Diskurs besteht die eigentliche Spannung aber nicht in der Antwort, sondern darin, wie man zu dieser Antwort gekommen ist. Noch viel wichtiger ist aber, dass die Chance steigt, dass sich die Zuhörenden auch noch nach Ende des Vortrags an die Kernthese erinnern, wenn sie direkt am Anfang einmal präzise zusammengefasst wird. Selbst wenn die Zuhörenden im Laufe des Vortrags den Faden – oder das Interesse – verlieren, wird ihnen hoffentlich die Kernbotschaft noch in Erinnerung bleiben.

Hat man die Kernbotschaft dargestellt, kann es direkt weitergehen mit Details der Lösung, ihrer Begründung, Anwendungsfällen oder auch Ausnahmen und damit dem eigentlichen Vortrag.


Benutzt ihr bei Vorträgen einen bestimmten Aufbau? Habt ihr schon mal die SPFK-Methode ausprobiert?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.