Wie hast du Deine Promotionsphase finanziert? Was waren die Vor- oder Nachteile?

Janett Bachmann: Ich habe nebenbei an der Uni gearbeitet und später in einer Kanzlei. Das hat für das Wichtigste gereicht. Den Rest glich – zum Glück – immer meine Familie aus.


Felix Berner: Ich hatte über weite Teile neben einer kleinen Stelle an der Universität ein Stipendium. Das hatte nur Vorteile. Neben der finanziellen Sicherheit ermöglicht es, sich noch intensiver mit der Dissertation zu beschäftigen.


Susanne Gössl: Ich hatte eine halbe WissMit-Stelle an der Uni. Nach dem USA-Aufenthalt habe ich überlegt, mich für ein Stipendium zu bewerben, mich dann aber bewusst dagegen entschieden, weil ich die Arbeitszeit, die das erfordert, lieber in die Dissertation selbst gesteckt habe. Ich hatte damals noch nicht vor, in die Wissenschaft zu gehen und wollte auch recht bald ins Referendariat. Ich hatte mir daher selbst eine Deadline von etwas über einem Jahr gesetzt (u.a. dadurch, dass ich mich in Hamburg fürs Ref beworben hatte, wo man seinen Referendariatsbeinn nur einmal nach hinten verschieben kann). Die halbe Stelle war vollkommen ausreichend, um mich zu finanzieren und die Arbeitsbelastung auch fair, sodass ich Zeit für die eigene Arbeit fand. Außerdem mochte ich die Lehrstuhlarbeit (und das Lehrstuhlteam) und auch das AG-Leiten, das zur halben Stelle gehört. Das sind die Vorteile. Auf der Nachteilsseite bin ich mir nicht sicher. Arbeiten kostet natürlich Zeit, aber sie bringt auch Erfahrung.

Alternativen wären ein Stipendium oder die Arbeit in einer Kanzlei (o.ä.) gewesen. Ich glaube, die komplette Freiheit durch eine Drittfinanzierung hätte bei mir dazu geführt, dass ich weniger strukturiert und stringent gearbeitet hätte. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht hätte ich mich dann auch dazu verpflichtet, mich in eine Bibliothek zu setzen und dort zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob mir dann der Austausch gefehlt hätte, den ich am Lehrstuhl hatte oder ob ich den auf andere Weise hergestellt hätte. Mit anderen Leuten wahrscheinlich, daher ist es schwer, Vor- oder Nachteile zu erwägen. In einer Kanzlei wäre es sicher auch spannend geworden, weil ich dann den Blick für die Praxis geschärft hätte und eine andere Arbeitsweise kennen gelernt hätte. Es ist wirklich schwer zu sagen.

Inwiefern war es für Dich hilfreich, an einem anderen Lehrstuhl zu arbeiten als bei Deinem Doktorvater?

Es war hilfreich, dass ich die Arbeit am Lehrstuhl und die Doktorarbeit thematisch sauber trennen konnte. Ich hatte vorher auch am Lehrstuhl meines Doktorvaters gearbeitet und gemerkt, dass ich dann auch während der Arbeit an der Dissertation gedanklich teilweise in andere Fragen abgeglitten bin, die sich parallel in anderen Gebieten stellten. Das hatte ich dann nicht. Und allgemein ist es vielleicht auch ein Vorteil, nicht für den Doktorvater zu arbeiten, weil dann nicht unbewusst der Druck entsteht, alles perfekt zu machen, damit es nicht für die Promotion negativ wirkt. Das hängt wahrscheinlich vom Doktorvater oder der Doktormutter ab und wäre bei meinem ziemlich sicher kein Problem gewesen. Aber meine Beobachtungen von anderen Lehrstühlen zeigen, dass die Gefahr immer bestehen kann. Und natürlich sind akademische Eltern auch nur Menschen, d.h. es lässt sich nie ausschließen, dass eine schlechte Arbeit einen schlechten Eindruck prägt oder bekräftigt und umgekehrt. Aber das sind jetzt bloße Mutmaßungen.

Glaubst Du, es hat Dir genützt, dass es zumindest teilweise thematische Überschneidungen zwischen Lehrstuhlthemen und deiner Dissertation gab?

Ja, für die technischen Aspekte der Arbeit war es praktisch, immer einen Ansprechpartner zu Verfügung zu haben. Außerdem bestand ein Grundinteresse an meiner Fragestellung (sobald es kollisionsrechtlich tiefer wurde, nicht mehr ganz so). Also habe ich versucht, zu erklären, wie ich vorgehe. Das Feedback, insbesondere auch die gelangweilten Blicke, waren ganz hilfreich, um zu merken, dass es Kommunikationsprobleme geben kann. Ich bin mir nicht sicher, ob die daraus gezogenen Erfahrungen in die Dissertation eingeflossen sind, weil ich diese schon für ein kollisionsrechtlich interessiertes Publikum verfasst habe. Aber allgemein bin ich sensibilisiert worden, wie ich etwas intradisziplinärer kommunizieren kann (wenn man Kollisionsrecht und Sachrecht als verschiedene Disziplinen betrachtet). Ob mir die Kommunikation wirklich gelingt, ist natürlich eine andere Frage, aber immerhin habe ich Problembewusstsein erworben.


Scarlett Jansen: Ich hatte ein Stipendium und habe zusätzlich wenige Stunden am Lehrstuhl gearbeitet. Das war ideal: Ich hatte viel Zeit für mein Promotionsprojekt. Auf der anderen Seite hatte ich aber den engen Kontakt zum Lehrstuhl und zu meinem Doktorvater.


Anne Sanders: Erst als Mitarbeiterin am Lehrstuhl, dann Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ich glaube, das war eine gute Reihenfolge. Jedenfalls wenn man sich vorstellen kann an der Uni zu bleiben, würde ich auf jeden Fall am Lehrstuhl anfangen. So kann man sehen, ob das was für einen ist, Erfahrungen in der Lehre sammeln und ein akademisches Netzwerk aufbauen. Wenn man nur mit einem Stipendium arbeitet, muss man auf jeden Fall darauf achten, dass man genug Austausch mit anderen hat. Einen Weg in die Wissenschaft komplett mit Stipendien zu finanzieren halte ich für gefährlich.


Mareike Schmidt: Ich habe auf einer 50%-Stelle am Lehrstuhl gearbeitet. Vorteil davon war sicherlich der Einblick in die universitäre und wissenschaftliche Arbeit. In dieser Hinsicht habe ich in der Zeit sehr viel gelernt; außerdem habe ich letztlich dadurch auch mein Thema gefunden. Als Uni-Mitarbeiterin hatte ich ein Büro und uneingeschränkten Zugriff auf Bibliothek und Datenbanken. Nachteilig war umgekehrt natürlich, dass ich nur einen Teil meiner Zeit in die Dissertation investieren konnte. Allerdings war insofern die Handhabung bei uns am Lehrstuhl sehr fair und transparent: In der Regel haben wir im ersten Jahr am Lehrstuhl ein großes Projekt betreut, in das ein Großteil unserer Arbeitszeit geflossen ist. Im letzten Jahr waren wir dafür im Wesentlichen freigestellt und konnten uns voll auf die Dissertation konzentrieren. Das war sehr hilfreich.


Rick Sprotte: Zunächst war ich für 22 Monate am Lehrstuhl meiner Doktormutter angestellt. Die Nähe zum Lehrstuhl bietet natürlich erhebliche Vorteile in jeglicher Hinsicht. Die Lehrstuhlarbeit kann zuweilen aber zeitintensiv sein. Dann ist es manchmal schwer ein Ende zu finden und wieder in den „Promotionsmodus“ zu kommen.

Die Arbeit am Hauptteil meiner Dissertation konnte ich mittels eines Promotionsstipendiums finanzieren. Ich kann jeder und jedem nur empfehlen, solch eine Bewerbung in Angriff zu nehmen, gleich bei welchem Förderwerk. Neben der Finanzierung ergeben sich mittels des Stipendiums unglaublich vielfältige Vorteile und es wird einem ein interdisziplinärer Austausch ermöglicht.


Sabine Vianden: Am Anfang habe ich eine Anschubfinanzierung von einer universitären Stiftung erhalten. Die Anschubfinanzierung richtete sich speziell an Nachwuchswissenschaftlerinnen der Universität Bonn. Die Anschubfinanzierung wird nur für 4 bis 6 Monate gewährt und soll dabei helfen, die Zeit zu überbrücken, bis man eine auskömmliche Finanzierung durch eine wissenschaftliche Tätigkeit oder ein Stipendium gefunden hat. Voraussetzungen waren neben der Annahme als Doktorandin an der Universität Bonn eine entsprechende Examensnote und ein kurzes Exposé. Aufmerksam gemacht haben mich darauf sowohl eine Kollegin, die diese Finanzierung ebenfalls genutzt hat als auch mein Doktorvater.

Danach konnte ich glücklicherweise meine 0,25-Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl auf 0,5 ausweiten. Damit verbunden waren zwar umfangreichere Arbeitsaufträge und Lehrverpflichtungen. Die Kollegen, die eine 0,25-Stelle und ein Stipendium hatten, hatten zwar insgesamt einen größeren finanziellen Spielraum, die Förderung durch eine Stiftung ist aber auch mit vielen Verpflichtungen verbunden, die nicht in allen Fällen den eigenen Interessen entsprechen. Darüber hinaus mochte ich die universitäre Arbeit und aufgrund des größeren Stundenumfangs kann mir die Zeit am Lehrstuhl bei einer späteren Beschäftigung im öffentlichen Dienst als Erfahrungszeit angerechnet werden.

Du hattest dich für ein Stipendium beworben, hast es aber nicht bekommen – wie bist du mit dieser Ablehnung umgegangen?

In dem Moment, als ich die Ablehnung erhalten habe, war das natürlich ein Rückschlag, weil ich da auch noch nicht wusste, dass ich später eine 0,5-Stelle am Lehrstuhl bekommen würde. Zuerst habe ich mich auch persönlich zurückgewiesen gefühlt und mich gefragt, ob ich dann überhaupt geeignet bin, zu promovieren. Es war aber so, dass ich erst auf der zweiten Ebene aus dem Verfahren ausgeschieden bin, das heißt erst nach dem Auswahlgespräch. Dabei bin ich mir auch sicher, mich und mein Thema gut und authentisch präsentiert zu haben. Bei den Auswahlgesprächen hängt aber natürlich ganz viel davon ab, wer dieses führt und wie der persönliche Eindruck ist. Aus Sicht der Auswahlkommission habe ich wohl nicht ausreichend in das Profil der Stiftung gepasst. Die Einladung hat ja aber aufgrund meiner grundsätzlichen fachlichen Eignung und des Exposés stattgefunden. Mit ein bisschen Abstand konnte ich die Ablehnung daher bald gelassen hinnehmen.


Bianca von Dr-Jur.net: Ich arbeite am Lehrstuhl meines Doktorvaters und habe ein Stipendium der Studienstiftung. Für mich ist das die beste Lösung, weil ich einerseits den direkten Draht zu meinem Doktorvater habe, andererseits aber zeitlich und finanziell weitgehend unabhängig bin. Durch das Stipendium habe ich außerdem auch ideelle Förderung erhalten. Nachteil war die lange Vorbereitungszeit für das Stipendium (vom Beginn der Recherche für das Exposé bis zur Aufnahme in die Förderung hat es bei mir ein ganzes Jahr gedauert).


Hier geht es weiter zur nächsten Frage: Hast Du einen Forschungsaufenthalt oder Ähnliches gemacht? Wo? Und was hat es Dir gebracht?