Was fiel Dir bei der Recherche besonders schwer? Wie hast Du Literatur und Notizen verwaltet und organisiert? Hast du irgendwelche Tipps?

Janett Bachmann: Da ich über einen Verordnungsentwurf promoviert habe, gab es nicht wirklich viele Primärquellen. Die Dokumente der Kommission und der Ausschüsse fand ich ganz klassisch über die eine Online-Recherche. Wichtige Sachen habe ich stets gedruckt und in einen Ordner geheftet. Am Ende hatte ich drei komplette Ordner mit Ausdrucken und Kopien. Die IPR-Abteilung meines Juridicums kannte ich dann nach kurzer Zeit auswendig. Wenn immer ich während meiner Promotion in anderen größeren Städten war, ging ich dort einmal in die Bibliothek und schaute nach, ob sich noch etwas Brauchbares findet.


Felix Berner: Mir fiel es, wie bereits erwähnt, schwer, einen lateinischen Text aus dem 16. Jahrhundert zu übersetzen. Schwer fiel mir auch, Texte zu lesen, bei denen ich mir relativ sicher war, dass sie keine neuen Erkenntnisse bringen werden, ich sie aber lesen musste, weil man sich nie zu hundert Prozent sicher sein kann, dass der Text nicht doch eine neue Information oder Anregung bringt.

Meine Literatur habe ich in Ordnern verwaltet, viel in kopierter, einiges auch in digitalisierter Form. Die Notizen habe ich in Word-Dateien geführt, wobei ich die Worddateien so klein wie möglich und so groß wie nötig gehalten habe. Meistens bezog sich eine Worddatei auf ein (Unter-)Kapitel. Dies hatte den Vorteil, dass ich in jedem Stadium der Arbeit Ideen, Nachweise u.a. richtig zuordnen konnte und sofort zu Händen hatte, wenn ich das betreffende (Unter-)Kapitel begann.


Susanne Gössl: Ich habe auf der Schnittstelle von zwei Gebieten promoviert, dem Medien-/Internetrecht und dem Kollisionsrecht. Problematisch war, dass das Thema selbst wenig diskutiert, d.h. die Literatur sehr überschaubar war, aber die abstrakte Fragestellung, auf die ich dann zurückfiel, eine Unmenge an Literatur und Diskussion aufweist, national und international. Diese Quellen zu überblicken und zu verwalten, war die größte Herausforderung.

Ich versuche bis heute, wenn ich mich in ein neues Thema einarbeite, erst dann etwas zu schreiben, wenn ich die Literatur durchdrungen habe (oder es zumindest annehme). Das führt dazu, dass ich am Anfang sehr viel lese, ehe ich anfange, meine eigene Meinung zu bilden. Damit ich keine Informationen verliere, halte ich die Inhalte parallel zum Lesen immer in einem Dokument in Stichworten fest und setze auch schon Fußnoten nach jedem Stichpunkt, damit ich das später nicht nachholen muss. Wenn ich den Eindruck habe, die Literatur zu überblicken (das ist dann der Fall, wenn ich lese und alle zitierten Quellen schon gelesen habe und/oder keine neuen Gedanken mehr finde), gehe ich diese Notizen durch und sortiere sie, wodurch ich sie noch einmal inhaltlich nachvollziehen muss. Danach formuliere ich sie aus und bin dann inzwischen so weit, dass ich weiß, was ich dogmatisch/methodisch für überzeugend halte. Das ist recht aufwändig, aber dafür stehe ich dann ziemlich sicher hinter dem, was ich vertrete.

Ein weiterer Nachteil ist, dass ich meist mit etwa 70 Seiten Stichpunkten und 500 Fußnoten beginne, die ich dann auf 30 Seiten reduziere. Das führt bei Word regelmäßig dazu, dass die Grammatik- und Rechtsschreibprüfung kollabiert, wodurch der Text anfälliger für Typos wird.

Zur Literaturverwaltung: Damals habe ich ganz klassisch Aufsätze kopiert und Bücher ausgeliehen. Um den Überblick zwischen gelesen-nichtgelesen zu bewahren, habe ich alle ungelesenen Texte auf meinem Schreibtisch abgelegt (der zum Glück sehr groß war). Kopien wurden abgeheftet und Bücher ins Regal gestellt (oder zurückgegeben), sobald ich einen Text durchgearbeitet hatte, d.h. ich hatte immer vor Augen, wie viel Arbeit vor mir liegt. Ähnlich gehe ich bis heute vor, allerdings mit dem Unterschied, dass ich inzwischen die meisten Texte digital in einer cloud abspeichere und zusätzlich in citavi einspeise, sobald ich sie durchgearbeitet habe.

Es war und ist für mich mental ganz hilfreich, weil ich mir meinen Arbeitstag danach gestalten kann, wie viel Platz auf meinem Schreibtisch leerzulesen ist.

Während der Dissertation habe ich keine Literaturverwaltungsprogramme benutzt. Ich hatte ein traumatisches Erlebnis mit einem Literaturverwaltungsprogramm, weil ich zwischen Apple und Windows wechseln musste, abhängig davon, von wo ich gearbeitet habe. Plötzlich war die Datenbank fort. Auch hatte ich einmal ein Kompatibilitätsproblem bei zwei Office-Versionen. Daraus habe ich die Lehre gezogen, nur noch konsequent ein Betriebssystem zu nutzen. Auf ein Literaturverwaltungsprogramm habe ich damals verzichtet, aber bei jedem Aufsatz, den ich durchgearbeitet hatte, einen Eintrag in meinem händischen Literaturverzeichnis gemacht, um sicher zu sein, dass ich das nicht später noch mal machen muss.

Inzwischen bin ich bei Windows und nutze Citavi, sowohl zur Fußnotenverwaltung als auch um die Texte, die ich lese, digital zu speichern und sie später wiederzufinden.

Ich empfehle inzwischen jedem, ein Literaturverarbeitungsprogramm zu nutzen, auch, weil ich mich an die Arbeit erinnere, später noch einmal nachzuvollziehen, ob ich alle Quellen einheitlich zitiert habe (z.B. wird die Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft als ZVRW, ZVglRWiss, ZVglRW abgekürzt und das Journal of Private International Law u.a. als JPIL, JPrivIntL und J.Priv. Int. L., nichts ist falsch, aber Einheitlichkeit ist wichtig).


Scarlett Jansen: Bei meiner Dissertation habe ich Literatur noch kopiert und nach Alphabet sortiert abheftet. Das war im Nachhinein nicht ganz optimal, weil es viel Zeit kostete. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, papierlos zu arbeiten und scanne (bzw. lasse scannen). Die Literatur verwalte ich digital in Ordnern und kann sie viel schneller finden. Die erstellten pdfs können sogar Texte erkennen, wenn man innerhalb einer Quelle etwas sucht. Empfehlen kann ich außerdem Literaturdatenbanken zum Erstellen von Fußnoten und vom Literaturverzeichnis.

Welche Programme nutzt Du für die PDFs und als Literaturdatenbank?

Ich nutze den Adobe Acrobat Reader Pro. Damit kann man pdfs mit Texterkennung durchsuchbar machen.

Als Literaturdatenbank nutze ich Citavi. Ob das zu empfehlen ist, weiß ich endgültig erst, wenn es mit meiner Habil alles funktioniert.


Anne Sanders: Ich war extrem unorganisiert! Ich hatte eine Datei mit Ideen und Fundstellen, aber in der habe ich dann nur schwer etwas wiedergefunden. Außerdem habe ich von Anfang an geschrieben und ein Literaturverzeichnis geführt. Immerhin habe ich von Anfang an Fußnoten mit den richtigen Fundstellen gemacht, so dass ich später nicht ewig herumgesucht habe. Heute würde ich aber jedem raten, das anders zu machen und alle technischen Hilfsmittel zu nutzen, die es heute gibt. Entscheidend ist aber bei alledem, dass man eine innere Struktur, ein inneres Bild des Themas entwickelt. Lauter kleine Einzelstückchen bringen im Ergebnis nichts, auch wenn sie noch so gut nachgewiesen sind.


Mareike Schmidt: Besondere Schwierigkeiten bei der Recherche fallen mir nicht mehr ein. Ich würde eher sagen, es war das Übliche: Zu manchen Punkten habe ich endlos viel Literatur gefunden (z.B. zu den Grundlagen des Deliktsrechts im Allgemeinen, den Verkehrssicherungspflichten und natürlich der Produzenten- und Produkthaftung im Besonderen) und musste mich beschränken, zu anderen Punkten gab es dann wiederum viel weniger, als mir lieb gewesen wäre.

Meine Literaturverwaltung war (leider) nicht konsequent. Erst habe ich lange Listen geschrieben, später bin ich auf Citavi umgestiegen, habe aber auch das nur halbherzig betrieben, so dass ich nie den idealen Überblick über meine Literatur hatte und manche Texte auch – unabsichtlich – mehrfach gelesen habe. (Das hat wohl letztlich nicht geschadet, mich aber trotzdem frustriert.) Was sich bewährt hat, war bei mir letztlich, Exzerpte und Notizen direkt in das Gliederungsdokument an die (ungefähr) richtige Stelle zu schreiben. Der eine Tipp, den ich allen Promovierenden mitgeben würde in Sachen Literaturorganisation ist: Guck Dir am Anfang an, was für Möglichkeiten es gibt; mach Dich schlau, worauf man achten sollte, und versuch Dir zu überlegen, was für Dich wichtig ist; und dann: entscheide Dich für einen Weg und bleib dabei! Denn aus meiner Sicht gibt es die ideale Art der Organisation nicht, jede hat ihre Vor- und Nachteile, mit denen man aber doch in aller Regel zurechtkommen kann. Große Reibungs- und damit Zeitverluste können aber entstehen, wenn man sich im Prozess noch einmal umentscheidet, z.B. weil man dann alles, was man in einem System aufgeschrieben hat, in ein anderes überführen muss. Dieser Aufwand dürfte sich selten rentieren.


Rick Sprotte: Zum einen erschlägt einen am Anfang unter Umständen die Fülle an bereits vorhandener Literatur. Anfangs habe ich oft gedacht, wenn derart umfassend zu einzelnen Aspekten Literatur veröffentlicht wurde, an welcher Stelle soll dann die Lücke für meine Arbeit sein. Doch genau darin steckt der Prozess. Das Thema von oben nach unten zu durchdringen und sich die Lücke, von der man am Anfang vermutet hat, dass sie da ist, zu erarbeiten. Während des Schreibens hat sich dann manchmal als anspruchsvoll herausgestellt, Literatur auf die konkreten eigenen Fragen zu finden. Immer wieder stellte sich dann, konträr zur Ausgangssituation die Frage, warum zu manchen Problemen und Fragestellung noch keine Abhandlung verfasst wurde. Das zeigt aber auch, dass sich während des gesamten Promotionsprozesses immer wieder Lücken auftaten, die ich vorher nicht vermutet hatte.  

Für die Literaturverwaltung habe ich das Literaturverwaltungs-programm citavi verwendet, das es an meiner Universität für Promovierende frei zur Verfügung gab. Ich habe das Programm als überaus hilfreich empfunden. Gleich, ob man sämtliche Funktionen verwendet, um den Überblick zu behalten oder schnell Literatur, die man bereits gesichtet hat, mit dem richtigen Zitat wieder zu finden, ist solch ein Programm meiner Einschätzung nach unumgänglich. Ich finde allerdings, man sollte sich im Vorfeld bewusst machen, in welchem Umfang man citavi oder ein ähnliches Programm nutzen möchte. Auch wenn es vielleicht schwerfällt und (noch) nicht im Zeitplan vorkommt, ist es ratsam sich gleich zu Beginn eingehend mit dem Programm und enthaltenen Funktionen vertraut zu machen. Das kann während der Bearbeitung, und vor allem am Ende, viel Arbeit ersparen.

Daneben habe ich tatsächlich sehr altmodisch ein A4 Notizbuch geführt, welches ich stets bei mir hatte, um schnell und einfach Notizen machen zu können, die ich zu meiner Arbeit hatte. Das hat mir wirklich geholfen, auch um irgendwann die Gedanken fernab des Bildschirms sammeln und umstrukturieren zu können.


Sabine Vianden: Da mein Thema so aktuell war, gab es ständig neue Aufsätze, die aber zum Teil lediglich den Gesetzestext wiedergegeben haben. Da war es recht aufwendig, die relevanten Ansichten herauszufiltern. Gleichzeitig hatte ich für die Vorfragen sehr viel sehr alte Literatur, die nicht immer leicht zu beschaffen war. Es bietet sich in solchen Fällen an, Fernleihen sofort zu bestellen, wenn man sie entdeckt und nicht erst, wenn man an dem Punkt ist, dass man daran arbeiten möchte.

Zur Literaturorganisation habe ich Citavi genutzt. Allerdings habe ich die Möglichkeiten, die das Programm bietet, nicht voll ausgeschöpft. Ich bin persönlich einfach ein Mensch, der gerne handschriftliche Notizen hat (weil es sich auch so gut anfühlt diese, wenn man sie eingearbeitet hat, händisch durchzustreichen), deshalb hatte ich auch einen physischen Ordner, der grob nach Kapiteln sortiert war. Wenn man aber unsicher ist, was einem persönlich besser gefällt, würde ich immer empfehlen auf digitale Angebote wie Citavi zurückzugreifen, weil man dort mit wenigen Klicks globale Veränderungen vornehmen kann und es eine Suchfunktion gibt.


Bianca von Dr-jur.net: Es war meist nicht schwer, Literatur zu finden, aber umso mehr, mich zu begrenzen. Dafür suche ich noch immer nach einem guten Weg. Momentan priorisiere ich danach, wie eng die Literatur ihrem Titel nach mit meiner Fragestellung zusammenhängt, wer der Autor ist und bei Aufsätzen auch, wo sie erschienen sind. Im Laufe der Recherche kommen dann noch die Quellen hinzu, die besonders häufig zitiert werden. Ein Problem bei der Literatursuche war es, auch ausländische Literatur einzubeziehen, weil diese naturgemäß in Deutschland nicht so leicht zu bekommen ist. Zum Teil konnte ich das mit meinem Forschungsaufenthalt am Max Planck Institut lösen. Zur Literaturverwaltung nutze ich Citavi, was ich nur wärmstens empfehlen kann.


Hier geht es zur nächsten Frage: Wie lief das Schreiben bei Dir ab? Hast Du von Anfang an geschrieben oder erst nach Abschluss der Recherche? Hast Du Tipps und Ratschläge zum Schreiben?