Wie bist Du auf Dein Thema gekommen? Wie sah die Ausgangsfassung Deines Themas aus und wie entwickelte es sich im Laufe der Promotion?

Janett Bachmann: Bereits zu Beginn des fünften Semesters habe ich mich für das Internationale Privatrecht (IPR) als Schwerpunkt entschieden. Die Vorlesungen waren immer sehr schwach besucht, oftmals waren wir nur eine Hand voll Studenten. Das, was jedoch unterrichtet wurde, fand ich sehr spannend. Daher stand für mich schnell fest, dass ich meinen Schwerpunkt im IPR mache und dann später auch in diesem Bereich promoviere. Da ich meine Schwerpunktbereichsarbeit seinerzeit über die Rom III-Verordnung (anwendbares Recht auf Scheidungen) geschrieben habe, war es denklogisch, dass ich mich dann für die europäische Erbrechtsverordnung oder die geplante Güterrechtsverordnung entscheide („better the devil you know“). Da Güterrecht besser zu Scheidungen passte, habe ich mich dann gegen das Erbrecht entschieden. Nachdem ich zwei Wochen nach der Themenfindung bereits viele Unterlagen zusammen hatte, nahm ich mir ein weißes Blatt Papier und einen Stift. Ich schrieb meine Gliederung – so wie sie mir in dem Augenblick sinnvoll erschien – handschriftlich runter. Ich besprach die Gliederung gleich danach mit meiner Doktormutter. Sie ergänzte lediglich einen weiteren Punkt. Die Gliederung behielt ich – bis auf redaktionelle Änderungen – bis zum Schluss bei.


Felix Berner: Ich hatte mich zunächst mit verschiedenen anderen (kollisionsrechtlichen) Themen beschäftigt und mit meinem Doktorvater besprochen, der mir sehr geholfen hat, meine schlechten ersten Themenideen zu verwerfen und mir Anregungen für Themenfelder gegeben, in die ich mich einlesen konnte. Aus einem dieser Themenfelder konnte ich die Anregung für mein Thema gewinnen. Der Titel und meine Kernthesen haben sich seit der Exposé-Phase nicht mehr geändert.


Susanne Gössl: 2008 nahm ich an einem Seminar teil, das sich mit digitalen Gütern und ihrer zivilrechtlichen Einordnung beschäftigte. Seitdem wusste ich, in welchem thematischen Feld ich promovieren wollte.

Ursprünglich hatte ich den Eindruck, das Kollisionsrecht müsste in Online-Konstellationen zumindest teilweise überholt werden und ich dachte mir, dass die Transaktionen über unkörperliche Gegenstände gut geeignet sind, die Probleme des Onlinehandels aufzuzeigen. Es ging mir weniger um das Verpflichtungsgeschäft als vielmehr auch die dingliche Seite. Während der Arbeit habe ich immer stärker festgestellt, dass meine Ausgangsthese nicht unbedingt zutrifft. Am Ende kam ich dann zum Ergebnis, dass das Kollisionsrecht nicht zwangsläufig reformiert werden muss, sondern die juristischen Probleme vor allem im Sachrecht liegen, das wiederum Ausgangspunkt des Kollisionsrechts ist. Dieses Ergebnis war etwas überraschend, weil ich meine eigene Ausgangsthese am Ende widerlegt habe.


Scarlett Jansen: Im Schwerpunktseminar habe ich mit der hypothetischen Einwilligung im Strafrecht ein Thema aus dem Medizinstrafrecht behandelt, das mir sehr gut gefallen hat. Daher fragte ich Prof. Böse bei einem persönlichen Gespräch, ob er aus diesem Bereich nicht ein Thema für mich wüsste. Tatsächlich hatte er mit dem späteren Thema eine Idee, die mich augenblicklich fasziniert hat. Ich habe mir dann zunächst etwas Literatur dazu angeschaut und ihm bald darauf gesagt, dass ich das Thema gerne nähme. Das Thema hat sich im Laufe der Zeit kaum geändert. Allerdings hat der verfassungsrechtliche Teil doch mehr Raum eingenommen als ursprünglich geplant und mein Ergebnis war anders als ich ursprünglich dachte.


Anne Sanders: Ich habe das Thema nicht gesucht, sondern meine Doktormutter, Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, schlug es mir mit den Worten vor: „Das ist das dogmatisch Spannendste was ich an Themen haben.“ Das Thema hat sich während der Arbeit daran eigentlich nicht sehr verändert, außer, dass Aspekte der ökonomischen Analyse des Rechts einbezogen wurden. Es war mir immer klar, dass es ein tolles, spannendes Thema ist. Zweifel hatte ich immer nur daran, ob ich dem Thema gewachsen sein würde.

Von außen betrachtet kann man anmerken, dass damals die Inhaltskontrolle von Eheverträgen stark diskutiert wurde und ich dazu eine Menge Aufsätze schreiben konnte. Das gab mir Publikationserfahrung und machte mich unter Familienrechtlern bekannt. Im Gesellschaftsrecht war das nicht in gleichem Maße der Fall.

Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist der Titel der Arbeit. Der Untertitel war als Thema immer klar, schwierig war nur, einen Obertitel zu finden, der die Gemeinsamkeiten der drei Themen Eheverträge, Gesellschaftsverträge und Kontrolle von Dauerschuldverhältnissen unter eine Klammer bringen konnte. Den Obertitel habe ich an einem netten Abend mit Hilfe von Prof. Dr. Michael Hassemer gefunden.


Mareike Schmidt: Die Idee zu dem Thema entstand im Rahmen der Arbeit an einem Gutachten mit meiner Doktormutter. Ich glaube, es ist – erstaunlicherweise, würde ich rückblickend sagen – über die Bearbeitungszeit ziemlich konstant geblieben.


Rick Sprotte: Das endgültige Thema meiner Promotion habe ich mir selbst erarbeitet, indem ich Aufsätze zu verschiedensten Themen las, die mich schon während der Studienzeit auf dem Gebiet des IPR/IZVR interessierten. Ausgehend vom umfassenden Thema des einstweiligen Rechtsschutzes kam ich zur zivilprozessualen Zwangsvollstreckung und von dort zur überaus wichtigen Problematik der Sachaufklärung im Rahmen der Einzelzwangsvollstreckung. Der Weg war also nicht vorgezeichnet, sondern kristallisierte sich durch das Studium unzähliger Aufsätze und Beiträge nach und nach heraus. Am Ende war es eine Bauchentscheidung für diese spezielle Thematik. Ich war überzeugt, dass das Thema wiederbelebt werden sollte und neueste Erkenntnisse und Ideen verfasst werden müssen. Ein etwas langwieriger Prozess, aber am Ende stand ich damit voll und ganz vor und hinter dem Thema.


Sabine Vianden: Mein Thema hatte mein Doktorvater ursprünglich einer Kollegin vorgeschlagen, die dann ein anderes Thema gewählt hatte. Mich hat zum einen der AGG-Bezug gereizt und zum anderen, dass es sich zu Beginn noch um ein nicht abgeschlossenes Gesetzgebungsverfahren gehandelt hat. Das barg natürlich das Risiko, dass das Vorhaben letztlich nicht geltendes Recht wird. Andererseits konnte ich „live“ die Entwicklung der Referentenentwürfe und Ausschussanhörungen mitverfolgen. Das war spannend und die Arbeit hat regelmäßig neue Impulse erhalten. Im Prinzip sind die Fragestellungen – abgesehen von Details – aber die ganze Zeit gleichgeblieben. Zwischendurch habe ich die Reihenfolge der Kapitel verändert.


Bianca von Dr-Jur.net: In einer Schwerpunktsvorlesung haben wir über drei EuGH-Urteile gesprochen, in denen es um Multiple Erfüllungsorte im Rahmen des Vertragsgerichtsstands geht. Diese Urteile schienen mir nicht wirklich ein kongruentes System darzustellen und diese Kongruenz wollte ich herstellen. Während der Literatursichtung und der Arbeit am Exposé habe ich mir überlegt, dass ich, um eine Antwort auf das Problem Multipler Erfüllungsorte zu finden, mir anschauen möchte, wie ähnlich gelagerte Fälle innerhalb der Verordnung gelöst werden. Eine Überlegung dabei war auch, dass ich mich so von anderen, bereits bestehenden Arbeiten in diesem Problemfeld abgrenzen würde. Während ich diese anderen Fälle und die zugehörigen Gerichtsstände analysiert habe, habe ich gemerkt, dass es im Grunde darauf hinausläuft, wie man das Prinzip der Gerichtsstandskonzentration versteht und welchen Stellenwert man ihm einräumt. Meine ursprüngliche Fragestellung ist jetzt der Aufhänger, um mich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.


Hier geht es weiter zur nächsten Frage: Hast Du ein Exposé geschrieben? Wenn ja, was hat es Dir gebracht?