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Wer beginnt, sich mit dem Thema Promotion zu beschäftigen, hat vielleicht nur eine vage Vorstellung, wie so etwas überhaupt funktioniert. Und auch wer bereits promoviert, denkt vielleicht nur bis zur Abgabe des Texts, ohne sich über die Zeit danach längere Gedanken zu machen. Heute gibt es daher eine Übersicht über alle Schritte vom Beginn bis ganz ans Ende der Promotionszeit.

Vorab noch ein kurzer Disclaimer: Einzelheiten können natürlich je nach Fakultät und Betreuer*in variieren. Es lohnt sich also in jedem Fall, frühzeitig einen Blick in die jeweilige Promotionsordnung zu werfen und Betreuer*in oder erfahrenere Lehrstuhlkolleg*innen zu fragen.

Vorfragen

Ganz am Anfang steht die Frage, ob man überhaupt promovieren will. Darüber sollte man sich in Ruhe Gedanken machen. Es ist nicht sinnvoll, nur zu promovieren, weil man zB ein Angebot eines potentiellen Betreuers oder einer potentiellen Betreuerin bekommt. Denn in fast jeder Promotionszeit gibt es auch schwere Phasen, für die man einen guten Grund haben sollte, warum man das Ganze überhaupt macht. Außerdem muss man sich auch entscheiden, ob man die Promotion direkt im Anschluss an das Erste Staatsexamen macht, oder lieber bis nach dem Referendariat wartet.

Wenn diese beiden Fragen geklärt sind, braucht man ein Thema und eine*n Betreuer*in. Diese beiden Punkte sind miteinander verknüpft, denn natürlich muss das Thema auch in das Forschungsgebiet des*der Betreuer*in passen. Sinnvoll ist es, sich erst einmal zumindest grob zu überlegen, in welchem Rechtsgebiet man gerne promovieren möchte, und dann zu schauen, welche Betreuer*innen dafür in Frage kommen. Es ist auch nicht unüblich, sich an einer andere Universität nach geeigneten Betreuer*innen umzusehen. Das konkrete Thema kann man dann auch mit dem*der Betreuer*in gemeinsam erarbeiten. An manchen Fakultäten schließen Doktorand*in und Betreuer*in eine Promotionsvereinbarung, die das Betreuungsverhältnis offiziell macht und Rahmenbedingungen festlegt.

Wissenschaft kann sehr erfüllend sein, trotzdem muss man in der Promotionszeit auch seine Rechnungen bezahlen und etwas essen. Frühzeitig sollte man daher auch die Finanzierung klären – zumindest für die Anfangsphase, während der man sich zum Beispiel für Stipendien bewirbt.

Die Anfangsphase

Die Anfangsphase dauert bei den meisten Doktorand*innen wohl ein paar Monate und geht häufig fließend in die Schreibphase über.

Der wichtigste Schritt ist in dieser Zeit das Finden und die Konkretisierung des Themas. Ein sehr guter Tipp hierzu ist, das Thema auf eine möglichst konkrete Fragestellung herunterzubrechen. Dazu muss man sich einen Überblick über die Literatur verschaffen und die eigene Fragestellung herausarbeiten. Nach und nach sollte man sich eine Herangehensweise überlegen und eine (grobe) Gliederung erarbeiten. Außerdem kann es helfen, einen Zeitplan zu erstellen, an dem man sich die ganze Promotionsphase über orientieren kann. Mir persönlich hilft es dabei, mir “minimale” und “optimale” Ziele zu setzen.

All diese Erkenntnisse kann man in einem Exposé fixieren. Für eine Stipendiumsbewerbung ist das ohnehin Pflicht, und manche Betreuer*innen verlangen es unabhängig davon, aber auch wenn kein äußerer Zwang besteht, kann es sehr hilfreich sein, schon einmal die eigenen Gedanken und den groben geplanten Ablauf der Dissertation schriftlich festzuhalten.

In der Anfangsphase sollte man sich außerdem mit ein paar Fragen der Arbeitsorganisation beschäftigen, zum Beispiel für eine Art der Literaturverwaltung entscheiden (zB mithilfe eines speziellen Programms wie citavi), ein Dokument erstellen und ein Backup-System einrichten. Hilfreich kann es auch sein, Austausch mit anderen zu suchen und einer Doktorand*innen-Arbeitsgruppe beizutreten oder eine zu gründen.

Wie immer gilt, dass es nie den einen richtigen Weg gibt, sondern jeder für sich bei diesen Entscheidungen den eigenen richtigen Weg finden muss. Ein paar Gedanken dazu, wie man die Arbeitsorganisation an die eigene Persönlichkeit anpasst, gibt es auch in der Reihe zu den Four Tendencies.

Die Schreibphase

Die Schreibphase ist der Kern der Promotionszeit und wie man beim Schreiben vorgeht, hängt zum einen vom Thema ab und zum anderen von den persönlichen Präferenzen. Manchmal entscheidet aber auch die Art der Betreuung über die Vorgehensweise, da einige Betreuer*innen die regelmäßige Abgabe von fertigen Kapiteln verlangen.

Man kann die Arbeit von vorne nach hinten schreiben (wie Janett Bachmann es in ihrem Interview empfiehlt) oder Einleitung und Schluss fürs Ende aufsparen. Die meisten Doktorand*innen gehen kapitelweise vor und recherchieren und schreiben einen Themenblock nach dem anderen. Es gibt aber auch manche (zB Mareike Schmidt), die erst einmal quer alles recherchieren und dann erst am Ende schreiben. Bei mir selbst ist es eine Mischform geworden, indem ich zwar von Anfang an geschrieben habe, anschließend aber fast alles verworfen und noch mal ganz neu den eigentlichen Text verfasst habe – dann schon mit klarem Blick auf meine wesentlichen Thesen (“thesenbasiertes Schreiben“).

Auch wenn man kapitelweise vorgeht, kann man diesbezüglich zB erst einmal alles lesen (wie Susanne Gössl es in ihrem Interview erklärt) oder auch frühzeitig eine Rohfassung der eigenen Gedanken verfassen (so ist Felix Berner vorgegangen).

Fast jede*r Doktorand*in steht irgendwann vor scheinbar unlösbaren Problemen. Das ist ganz normal und gehört zum Promotionsprozess dazu! Ein Ratschlag, der mich in solchen Phasen getröstet hat, ist “Es muss schwer fallen, sonst wird es nicht gut.” Außerdem habe ich persönlich mit der Zeit Strategien entwickelt, mit (inhaltlichen) Problemen umzugehen, zB eine Pause machen, drüber reden oder einfach mal ungefiltert alle Lösungen aufschreiben.

Auch in der Schreibphase muss man nicht nur im Kämmerlein hocken und lesen oder schreiben. Eine gute Möglichkeit, sich zwischendurch eine Deadline zu setzen und neue Motivation zu finden, ist es, einen Vortrag über das Dissertationsthema zu halten. Ein solcher Vortrag kann auch neue Impulse für das eigene Thema bringen.

Die Überarbeitungsphase

Entsprechend zur Schreibphase kann auch die Überarbeitungsphase unterschiedlich ausgestaltet werden. Wer kapitelweise schreibt, macht häufig eine erste Überarbeitungsrunde, wenn sie*er mit dem Schreiben des jeweiligen Kapitels fertig ist – ganz besonders, wenn der*die Betreuer*in das Kapitel lesen soll. Daneben gibt es bei den meisten noch eine Phase am Ende, in der im Schwerpunkt überarbeitet wird, und in der man auch die Bezüge der Kapitel zueinander besser herausarbeitet. Häufig muss der Text auch gekürzt werden und auch dafür kann thesenbasiertes Schreiben hilfreich sein.

In der Überarbeitungsphase ist es auch hilfreich, Korrekturleser*innen zu haben, die die Arbeit sprachlich und inhaltlich kritisch gegenlesen. Es ist wichtig, für Feedback offen und dankbar zu sein, auch wenn es manchmal vielleicht schwer fällt, es zugleich aber immer auch kritisch zu hinterfragen.

Die Abgabe

Viele Betreuer*innen geben die Möglichkeit einer Vor-Abgabe, bei der die Dissertation also nicht im prüfungsrechtlichen Sinne abgegeben wird, sondern der Betreuer oder die Betreuerin die Arbeit zur Korrektur erhalten. So hat man Gelegenheit, das Feedback zu berücksichtigen, bevor man offiziell abgibt und bevor die Arbeit benotet wird.

Die offizielle Abgabe der Arbeit erfolgt dann üblicherweise über das Dekanat in gedruckter und digitaler Form. Außerdem gibt es je nach Fakultät auch konkrete Vorgaben für das Deckblatt und ggf. die Formatierung der Arbeit.

Nach der Abgabe wird die Dissertation vom Erstgutachter oder der Erstgutachterin, also Doktorvater oder Doktormutter, und dem Zweitgutachter oder der Zweitgutachterin begutachtet und benotet. Die Voten dienen zur Begründung der Note, sind aber auch für den Veröffentlichungsprozess nicht unwichtig.

Die Verteidigung

Nachdem man die Voten erhalten hat, wird ein Termin für die Verteidigung der Dissertation anberaumt. Meist beinhaltet die Verteidigung (auch Disputatio oder Disputation genannt) einen kurzen Vortrag über die Dissertation, in der man die wichtigsten Thesen darstellt und gegebenenfalls auch schon Kritikpunkte aus den Voten anspricht und ausräumt. Eine gute Methode für die Vortragseinleitung habe ich in diesem Beitrag vorgestellt. Es folgt die “Aussprache”, also eine Art Prüfungsgespräch mit der Prüfungskommission. An manchen Fakultäten beginnt die Verteidigung auch direkt mit Fragen, ohne dass der*die Doktorand*in einen Vortrag hält. In jedem Fall muss man sich bei dieser Art der Verteidigung noch einmal die gesamte Dissertation und die wichtigsten Thesen vor Augen führen, sollte aktuelle Entwicklungen präsent haben und sich auch mit der Kritik aus den Voten auseinandersetzen, um dafür gute Antworten parat zu haben.

An manchen Fakultäten gibt es stattdessen eine mündliche Prüfung im Stil des Ersten Staatsexamens (häufig “Rigorosum” genannt). Der*die Doktorand*in wird dann zu gänzlich anderen Rechtsgebieten abgefragt, um ihre*seine juristische Allgemeinbildung abzuprüfen. Bei einer dritten Variante wird verlangt, dass der*die Doktorandin einen Vortrag zu einem anderen Thema seiner*ihrer Wahl hält, das zwar mit dem Dissertationsthema verwandt sein darf, aber nicht in ihm enthalten.

Nach der Verteidigung berät die Prüfungskommission abschließend über die Note, die dann in der Regel auch direkt verkündet wird. Damit ist der Prüfungsprozess abgeschlossen. Man kann sich dann als “Dr. des.” (doctor designatus) bezeichnen, hat aber in der Regel noch kein aktives Titelführungsrecht.

Der Veröffentlichungsprozess

Um den Doktortitel wirklich führen zu können, muss die Arbeit in der Regel noch veröffentlicht werden. Das soll sicherstellen, dass der wissenschaftliche Beitrag auch wirklich rezipiert und von anderen Wissenschaftler*innen weiterverfolgt oder widerlegt werden kann. Der einfachste Weg ist häufig, bei der Fakultät die Pflichtexemplare gemäß der Promotionsordnung abzugeben und/oder die Arbeit im Internet zu veröffentlichen.

Ein etwas längerer Prozess steht noch bevor, wenn man die Schriftfassung in einem wissenschaftlichen Verlag veröffentlichen möchte. Soll die Dissertation tatsächlich gelesen und rezipiert werden (und möchte man vielleicht eine wissenschaftliche Karriere darauf aufbauen), sollte man versuchen, sie in einer passenden Schriftenreihe in einem renommierten Verlag unterzubringen. Hierfür muss man in der Regel die Arbeit mit den Voten, einer kurzen Zusammenfassung und einem Lebenslauf verschicken. Häufig ist die Veröffentlichung in einem Verlag auch teuer, da sich die Veröffentlichung für den Verlag meist finanziell wegen der zu erwartenden kleinen Auflage nicht lohnt. Man zahlt dann einen sogenannten Druckkostenbeitrag. Wessen Dissertation gut benotet ist, hat aber gute Chancen, hierfür einen Druckkostenzuschuss zu erhalten. Es gibt aber auch (weniger renommierte) Verlage, die im Print-on-demand – Verfahren arbeiten und die daher ohne oder mit deutlich geringerem Druckkostenbeitrag auskommen.

Sobald die Dissertation veröffentlicht ist (oder man die baldige Veröffentlichung durch einen Verlagsvertrag nachweisen kann), kann man bei der Fakultät ein Diplom beantragen, durch das man das Titelführungsrecht bekommt – ab diesem Zeitpunkt ist man dann wirklich “dr. jur.”.


Ich bin neugierig: in welcher Phase befindet ihr euch gerade, wenn ihr diesen Beitrag lest? Und zu welcher Phase habt ihr noch die meisten Fragezeichen?

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